Picasa 3 24.07.2021 084834Bürgermeister beendet Notlage in Rheinbach und stellt Versorgung ein

Rheinbach erlebt mit vielen anderen Gemeinden in der Region die Auswirkung der schlimmsten Überschwemmungskatastrophe, die Deutschland erlebt hat. Mehrere Dutzend Menschen haben in den Wassermassen ihr Leben verloren. Tausende Menschen haben durch die Überschwemmungen erhebliche Schäden an ihrem Haus erlitten oder haben gar ihre Häuser verloren.

Familien mit Kindern stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und werden sich womöglich von diesem Schicksalsschlag nicht erholen. Seit mehreren Tagen gilt auch im Rhein-Sieg-Kreis der Katastrophenfall und Hilfsorganisationen, Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz kämpfen sich durch Schuttberge, um die Bevölkerung zu versorgen und Zugang zu den teils zerstörten Ortsteilen zu schaffen. In vielen Orten ist weder Strom noch Telekommunikation möglich; zudem droht die Verseuchung des Trinkwassers durch Verunreinigung und Öl. Freiwillige Helfer aus der ganzen Republik haben sich aufgemacht im Krisengebiet zu helfen. Die entgegengebrachte Solidarität und Hilfsbereitschaft sind überwältigend. Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist weiter ungebrochen und täglich treffen unzählige Hilfsgüter in den Versorgungszentren ein, um eine Versorgung sicherzustellen. Die Helfer arbeiten bis an den Rand der vollständigen Erschöpfung und täglich findet man trotz aller Anstrengung Leben zu retten in Schutt und Müll leblose Körper, die seit der Überschwemmung vermisst wurden. Wir sind weit weg von einer Normalität, wie wir sie bislang kannten. Es wird Jahre dauern, bis die Schäden und Folgen dieser Katastrophe behoben sein werden. Der Schmerz und die Trauer um verlorene Angehörige und Freunde wird allerdings niemals enden.

In dieser Zeit, in der wir, als betroffene Region, eine nicht vorstellbare Solidarität entgegengebracht bekommen und gemeinschaftlich zusammenstehen, ist es die primäre und vordringliche Aufgabe der verantwortlichen Stadtverwaltung, sich um die Belange der Bürger*innen zu kümmern und ihre Versorgung sicherzustellen. Diesen Anspruch stellen wir auch an Herrn Banken. Es ist beschämend, wenn ein Stadtbürgermeister eine Woche nach einer solchen Katastrophe die in Notquartieren untergebrachte Bevölkerung darüber informiert, dass die „Notlage beendet“ sei und „…die Häuser und Wohnungen – wenn auch derzeit noch ohne Strom und z.T. noch ohne Telekommunikation- wieder bewohnbar“ sind. Es folgt in dem Schreiben des Bürgermeisters dann die Rechtfertigung, dass aufgrund der aufgehobenen Notlage „…. die Stadt Rheinbach ab sofort Ihre Unterkunft und Verpflegung nicht mehr bereitstellen kann“. Dieses Schreiben wurde an die in der Notunterkunft im Jugendwohnheim Rheinbach untergebrachten Menschen verteilt und damit festgestellt, dass die keinen Anspruch auf eine weitere Versorgung haben - Rausschmiss! Familien, die nicht in ihre Häuser zurückkehren konnten, suchten daher andernorts Unterschlupf oder werden in Hilfsunterkünften (z.B. in Wormersdorf) durch Helfer versorgt.

Sehr geehrter Herr Banken, Stadtbürgermeister von Rheinbach, Sie rechtfertigen diesen Schritt damit, dass Notunterkünfte und Notverpflegung ausschließlich in akuten Notlagen zur Verfügung gestellt werden können.“ Um was bitte handelt es sich denn hier? Ist es tatsächlich ihr Ernst, dass Sie die aktuelle Notsituation in unserer Region nicht erkennen, oder liegt es vielleicht daran, dass Sie sich überhaupt kein vollständiges Bild der Katastrophe gemacht haben? Vielleicht sollten Sie sich mal über die Lage in Oberdrees, Niederdrees, Flerzheim, Loch, Merzbach und dem Rheinbacher Stadtgebiet (Römerkanal, Heeg, Ramershovener Straße, Rodderfeld, Weilerfeld etc.) informieren, besser sich in den betroffenen Gebieten sehen lassen, um die Not der Menschen zu erkennen. Die Bevölkerung vor Ort braucht einen Bürgermeister, der nicht nur die Verwaltungsarbeit macht, sondern in diesen Situationen vor Ort Präsenz zeigt. Ein derartig empathieloses Geschwätz ist peinlich und eines Stadtbürgermeisters nicht würdig. Es zeigt ihr Versagen in der aktuellen Situation, die Sie in keinster Weise souverän, kompetent und in der angemessenen Form beherrschen.

Wir fordern Sie hiermit auf die Verpflegung und Unterbringung der Rheinbacher Bürger*innen, die durch die Flutkatastrophe nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können und in ihrer Existenz bedroht sind, sicherzustellen. Die Finanzierung sollte aufgrund der täglich eintreffenden Spenden auf den städtischen Spendenkonten sicherlich kein Problem darstellen. Dafür wurden diese übrigens eingerichtet!

Helferinnen und Helfer haben in den letzten Tagen nahezu unmenschliches geleistet und Hilfszentren in Rheinbach in der Pallottikirche, in Oberdrees, in Wormersdorf, und den umliegenden Ortschaften Hilfszentren eingerichtet, Hilfsgüter verteilt, die Lebensmittelversorgung sichergestellt und sich um viele Belange der Bevölkerung bemüht. Der Zusammenhalt und die Hilfeleistungen aus der Bevölkerung waren und sind unbeschreiblich. Wir, die Rheinbacher Bevölkerung, haben gemeinsam mit dem Rat der Stadt, mit den Hilfsorganisationen und der Bundeswehr ein funktionierendes Hilfssystem aufgebaut, welches teilweise überregional agiert und in Ihren Äußerungen nicht mal Erwähnung findet. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich Spender und Organisationen direkt mit den Verantwortlichen Hilfszentren in Verbindung setzen, um weitere Schritte zu besprechen und nicht mit einer überforderten „Stadtführung“. Diese Hilfeleistungen werden auch in den kommenden Wochen aufrechterhalten und bedürftige Bürgerinnen und Bürger aus Rheinbach und unserer Region können auf unsere Hilfe zählen.

Erheben Sie sich endlich aus ihrem Sessel, krempeln Sie die Ärmel hoch und zeigen Sie ihre Verantwortung gegenüber unserer Stadt und ihrer Bürger. Es wird langsam Zeit!

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