Die Mörder leiden nicht

In einem WDR5-Bericht vom 12.Mai diesen Jahres werden Sie Herr Lasched zitiert: "Nur, weil es Israel geben konnte, konnte Deutschland seinen Weg machen". Das ist korrekt aber einäugig. Die Juden brauchten ohne Frage einen eigenen Staat, weil sie in den meisten anderen, obwohl sie dort zu Hause waren, nicht sicher leben konnten. Deutsche und damit ziemlich sicher auch Ihre Vorfahren Herr Lasched hätten fast einen Staat Israel unnötig gemacht, indem sie Juden millionenfach bestialisch ermordet haben. Leider aber haben Sie Herr Lasched vergessen, auf wessen Kosten „Deutschland seinen Weg machen“ konnte. Auf Kosten der Vertreibung von Menschen aus ihrer jahrhunderte alten Heimat. Menschen, die nachweislich nicht am Holocaust beteiligt waren und die längste Geschichte mit den Juden friedlich zusammengelebt haben. Wäre es nicht gerechter gewesen, der Staat der Juden wäre im Land der Mörder entstanden - etwa auf dem Gebiet von NRW?

"NRW ist in diesen Stunden ganz besonders mit Israel verbunden." Mit den Palästinensern also nicht, Herr Lasched!

Die palästinensischen Menschen büßen für die deutschen Mörder. Wem eigentlich ist das noch bewusst im Lande der Mörderkinder und -enkel, der Superreichen?

Ist es erlaubt Herr Lasched, dass Sie sich wundern warum es die Hamas gibt? Den Palästinensern ist nicht nur ihre Heimat gestohlen worden, sie werden permanent ihrer Menschenrechte beraubt. Dennoch haben sie nicht einmal das Recht auf Asyl im Land derer deren Schuld sie abtragen.

Sie werden in Mauern gesperrt von einem Staat, der wie Sie richtig sagten Voraussetzung war dafür, dass Deutsche in einem der reichsten Staaten dieser Welt leben können, während jene, die die deutsche Schuld sühnen im Elend leben ohne Aussicht auf ein in Zukunft besseres Leben.

Sagen Ihnen sehr geehrter Herr Lasched Namen wie Sabra und Schatila überhaupt etwas oder die jüdische Organisation Irgun Zwai Leumi. Einer der gnadenlosesten Terroristen diese Organisation war vier Jahre Ministerpräsident in Israel.

Wissen Sie, dass es keinen Ministerpräsidenten von David Ben-Gurion über Golda Meir bis hin zum wegen Korruption angeklagtem Benjamin Netanjahu der / die auch nur eine UN Resolution befolgt hat oder Araber als gleichberechtigte Menschen gesehen hätte?

Weil nun mal Israel als Staat existiert und die Deutschen den Juden gegenüber eine Schuld abzutragen haben müssen sie sich daran beteiligen den Staat zu sichern. Gilt das aber auch für die Teile Palästinas, die extremistische Israelis besetzt haben. Oder sollten wir lieber von Terroristen reden, weil sie den palästinensischen Menschen erneut ihre Heimat mit Gewalt entreißen und sie täglich erniedrigen und terrorisieren. Wenn Sie israelische Siedlungen in Palästina ungefragt tolerieren, kommen Sie dem nicht nach was ihren Pflicht wäre, die zu schützen, die auch für Sie und Ihre Vorfahren büßen.

Aus einem Kommentar von Hasnain Kazim in DIE ZEIT vom 16. Mai 2021(1):
„Es sind die Regierungspolitiker Israels und die Anführer der Hamas, die für die Gewalt verantwortlich sind. Es sind vor allem unschuldige Menschen, die die Leidtragenden dieser Gewalt sind. Ihnen sollte, unabhängig von ihrer Identität, unsere Solidarität gelten. Das ist die einzige Position, die ich für angemessen halte.“
Oder ein Satz von Andrea Backhaus in DIE ZEIT vom 18. Mai 2021(2).
„In der Debatte wird schnell jeder, der Israels Besatzungspolitik und Kriegsverbrechen kritisiert oder einen Palästinenser zu Wort kommen lässt, ein Israel-Hasser.“

Und dann fällt Ihnen Herr Lasched zum Konflikt nichts anderes ein als das oben zitierte? Eben blind auf einem Auge.
Ein letzter Satz Herr Lasched: Menschen werden nicht als Terroristen geboren, sie werden dazu gemacht durch das Unrecht und die Gewalt die sie erleiden.

Ihr Peter Schürkes

Zum Nachlesen nicht nur für Herrn Lasched:
(1)https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-05/nahostkonflikt-israel-palaestina-reaktionen-protest-kritik?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

(2)https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-05/palaestinenser-nahostkonflikt-frieden-menschenrechte-solidaritaet-zivilisten-israel-krieg