Weiß-Sein

Joachim Gauck, Ex Bundespräsident veröffentlichte in DIE ZEIT vom 31. März 2021 einen Gastbeitrag: »Menschen, die die Freiheit, Demokratie und Menschenrechte lieben, fragen nicht danach, ob jemand schwarz ist oder weiß«

Zweifel an "Critical Whiteness-Weißsein als Privileg" ist das Thema. Es ruft bei ihm „einen aus tieferen Schichten stammenden emotionalen Protest hervor.“ Erkennt aber: „Die andere Hautfarbe ruft auch Skepsis, Vorurteile, Ausgrenzung, teilweise sogar Rassismus, Hass und ... mörderische Gewalt hervor“. Dennoch „Gleichzeitig reizt mich die Critical Whiteness aber auch zum Widerspruch“.
Dann folgt ein Ausflug in die Geschichte der Sklaverei „Die Sklavenhalter waren nicht immer Weiße, sondern auch Chinesen, Balinesen, Azteken, Maya, Afrikaner.... Umgekehrt waren die Sklaven nicht nur schwarz, sondern oft auch weiß“. Ist das hilfreich zum Thema "Weißsein privilegiert"? Privilegien so Gauck seien Feudalgeschichte. Mit dem allgemeinen Wahlrecht „...werden sie vom Privileg zum Allgemeingut, zur Norm.“

Anders Millay Hyatt in "Critical Whiteness-Weißsein als Privileg"
Nach „Jahrhunderten rassistisch hierarchisierten Welt ist es anmaßend und realitätsverweigernd, so zu tun, als wäre es gesellschaftlich gesehen irrelevant, in was für eine Haut man hineingeboren wurde. ... Damit dies in der Zukunft genauso irrelevant wird wie etwa die Frage, ob man freie oder angewachsene Ohrläppchen hat, müssen die Privilegien beziehungsweise Nachteile benannt und hinterfragt werden ... Vor lauter Beharren darauf, dass die Welt nicht nach Hautfarben aufgeteilt werden sollte, wird verdrängt, dass es nun mal so ist.“(2)

„Privilegierte genießen Vorteile, Vorzüge und Zugänge, wo Andere zurückbleiben, oder benachteiligt werden. ... Privilegien sind heute ... eher Vorrechte aufgrund von Gruppenzugehörigkeiten (männlich, weiß, heterosexuell etc.).
Diese Vorrechte sind oft nicht bewusst. Studenten der Universität von San Francisco haben das mit einer Plakat-Aktion auf den Punkt gebracht:
"Wenn Du nicht darüber nachdenken musst, bist Du privilegiert!"
Privilegien bedeuten ... oft auch einfach nur die Freiheit von Benachteiligungen, die letztlich wieder eine Bevorzugung darstellt.“(4)

Vertreter der Critical Whiteness kritisieren, dass „"Weißsein" als deutsche Normalität gilt. An "anders" aussehende Menschen werde oft nicht gedacht. So werden People of Colour selten als Deutsche wahrgenommen, da "Deutschsein" meist mit "Weißsein" gleichgesetzt wird.“(3)

Weiße leben in der Regel nicht was die Überschrift prognostiziert. Es geht nicht darum, ob wo anders oder wann anders Menschen versklavt wurden. Es geht um uns die wir Weiße - in einem engeren Sinne in West- und Nordeuropa, USA , Australien als Weiße geboren wurden, die ihren Reichtum und ihre Privilegien durch die Ausbeutung anderer gewonnen haben und verteidigen. Für uns Weiße gilt ohne Frage: Wir sind privilegiert! Wir werden daran nichts ändern! Es steht uns allerdings gut zu Gesichte, wenn wir uns dessen stets bewusst sind und die angeborenen Privilegien nicht für unserer Bevorteilung benutzen. Wir uns also wehren wenn unsere Privilegien andere benachteiligen.

Herr Gauck mag die Voraussetzungen der Überschrift erfüllen, deren Überschrift nicht. Er ist weiß!
Peter Schürkes

Zum Nachlesen:
(1) https://www.zeit.de/2021/14/critical-whiteness-joachim-gauck-rassismuss-privliegien-postkolonialismus/seite-3
(2) https://www.deutschlandfunk.de/critical-whiteness-weisssein-als-privileg.1184.de.html?dram:article_id=315084
(3) https://mediendienst-integration.de/artikel/was-ist-critical-whiteness.html
(4) https://kulturshaker.de/privilegien/
(5) https://www.migrazine.at/artikel/das-problem-mit-critical-whiteness

Und besonders lesenswert im Zusammenhang:
Alice Hasters: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen müssen, hanserblau