Sexuelle Gewalt und katholische Kirche

Eine Freundin erzählt wie es Mitte der 60-er in der Grundschule eines Eifeldorfes zuging, wenn der Pfarrer „unterrichtete“. Auf dem Weg zum Klassenraum ging er stets hinter den Mädchen her die Treppe hoch und hob schon mal ihren Rock – rein zufällig.

In der Klasse suchte er sich die Kleinste aus, die auf seinem Schoß sitzen „durfte“ wenn er von Jesus erzählte und der er – zufällig natürlich – über die Schenkel strich. Obwohl das für Mädchen schrecklich war hat keine sich getraut zu Hause etwas zu sagen, weil ihnen klar war, nicht der Pfarrer werden zu Rede gestellt, sondern sie hätten mit Ärger zu rechnen, weil der Pfarrer so etwas nie täte und sie vielleicht etwas provoziert hätten. Denn: Im Dorf kam der Pfarrer noch vor dem Arzt, vor dem Lehrer und vor dem Bürgermeister. Das Ausnutzen der Macht gab es nicht nur in dem einen Eifeldorf auch in Städten waren die Fälle eher nicht selten und betraf nicht nur Mädchen, wie man derzeit hinlänglich dokumentiert erfährt. Die Frage ist, wie kommt es zu einer Macht, die Kritik zum Schweigen bringt. Es hat wohl mit der „Mittlerfunktion“ der Priester zwischen den Gläubigen und Gott zu tun – wer oder was Gott auch immer ist in einer Welt, die ihren Ursprung im Urknall hat mit unzähligen Galaxien daherkommt und noch mehr Sonnen. Da soll es unter geradezu unendlich vielen Planeten einen ausgezeichneten geben, für den ein Gott zuständig ist? Dabei gibt es ja schon auf diesem Planeten massenhaft konkurrierende Götter – wovon nur der, an den man geglaubt einer ist, die anderen sind Götzen. Wohl möglich gibt es beliebig viele bewohnte Planeten so dass sich Götterzahlen potenzieren. Wie kommt eigentlich ein Gott in die Welt in einer beliebigen Menschengruppe? Eine Idee wie so was wie die „Mittlerfunktion“ entstanden sein könnte: In einer Gruppe unter unseren altsteinzeitlichen Vorfahren hatte sich vielleicht einer bei der Jagd das Bein gebrochen weshalb er nicht jagen konnte. Dafür war er – sicher ein er – ein begnadeter Jagdgeschichtenerzähler, den die anderen um seiner Geschichten willen gerne an der Jagdbeute teilhaben ließen. Nachdem das Bein geheilt war und er den Zustand des Nichtstuens als angenehm empfand, hat er weiter Geschichten erzählt statt zu jagen. Er hatte Erfolg und reichte das Privileg an seinen Ältesten weiter – und der wieder an seine männlichen Nachkommen usw. So können Priesterdynastien entstanden sein, die über Macht verfügten – auch sexuelle Macht. Wie das in der Geschichte der Religionen weiterging muss nicht erzählt werden. Geblieben ist die Macht, die auch heute noch auf Geschichten beruht die in allen Religionen erzählt werden. Die Macht wird ausgeübt durch die Funktion unterstützt durch Gewandung in der zelebrierten Mittlerfunktion mit Weihrauchschwenken, Weihwasser versprühen, Wein segnen und Fladenplätzchen heiligen. Es reicht nicht, wenn sich die Kirchen im eigenen System wandeln. So lange die Macht und ihre Insignien fortbestehen wird sich nichts ändern. Solange Männer zum Verzicht auf ein Sexualleben gezwungen sind, kommt es in Gesellschaften rund um den Globus zu sexualisierter Gewalt durch Priester. Der Beispiele gibt es in beliebiger Zahl. Und es geschieht nicht nur in Dörfern. Die Überschrift auf einer Leserbriefseite zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hieß es: „Warum so viele aus der Kirche austreten.“ Man sollte eher fragen, warum so viele in der Kirche bleiben.

 


Peter Schürkes

P.S. Was ich nach dem Schreiben der Kolumne gelesen bzw. mir auf YouTube angesehen habe macht mir deutlich, dass die katholische Kirche als Institution untragbar ist und unsere Parlamente zumindest innerkirchliche Gerichte verbieten müssen.

https://www.dw.com/de/ex-nonne-ich-war-das-ideale-opfer/a-47406440
https://www.youtube.com/watch?v=y9jJXBkD3b8
https://www.youtube.com/watch?v=XBizuzUD0cI