Zugvögel

Die Kraniche und Gänse zogen wieder über uns hinweg. Der subjektive Eindruck: Es waren früher mehr Schwärme und die Schwärme waren größer.

Objektiv muss man feststellen, dass sich bei uns keine Schwalben und keine Stare mehr sammeln um nach Süden zu fliegen, anders als sie es im vorigen Jahrhundert noch taten. Wer ein bisschen älter ist, erinnert sich an die dicken schwarzen Überlandleitungen, die sich bei näherer Betrachtung als dicht an dicht sitzende Schwalben oder Stare entpuppten. Dabei hat auch schon damals ihre Anzahl abgenommen.

Warum praktisch keine Schwalben mehr im Herbst von Rheinbach und woanders nach Süden ziehen dafür liefern die im Sommer vom „Insektendreck“ verschonten Autoscheiben eine Antwort. Keine Insekten auf der Autoscheibe gleich keine Insekten im Schnabel der Schwalben. Das hat seinen Grund in den untergegangenen Insektenarten und der massenhaften Vernichtung ihrer Individuen der noch übrig gebliebenen. Saubere Autoscheiben und fehlender Schwalbenflug sind also Ergebnis der gleichen Art des Umganges mit der Natur. Im wesentlichen ist es die Landwirtschaft und ihr Einsatz von Pestiziden und Insektiziden. Letztere vernichten die Insekten direkt, erstere auf dem Umweg über die Vernichtung der Lebensgrundlagen der Insekten.

Die Schwalben kommen auch deshalb nicht mehr zu uns, weil sie keinen Platz finden wo sie ihre Nester bauen können. Früher fanden die Schwalben ihre Nistplätze an den Hauswänden und in den Ställen derer, die noch Bauern hießen. Gibt es heute überhaupt noch „nesttauliche“ Hauswände, werden sie durch Bretter oder Stacheldraht „geschützt“. Früher gab es besonders in den Ställen neben geeigneten Nistplätzen kostenlos Schwalbennahrung für die Alten im Flug und die Jungen im Nest. Sie waren von Bäuerin und Bauer geliebt weil sie das als Nahrung nutzten was Mensch und Nutztier gerne klein gehalten sahen. Heute ist der Bauer Landwirt und betreibt Landwirtschaft statt Ackerbau. Wirt und Wirtschaft, das steht für Kosten/Nutzen Betrachtung deshalb gibt es keine Ställe mehr sondern Lagerhallen zur Aufbewahrung von „lebend“ Produktionsgütern, in Mehrheit für den Export gedacht. Kosten/Nutzen fallen für die Produzenten – wie die ehemaligen Bauern auch heißen – nur deshalb auf die Nutzenseite, weil die EU mal wieder 390 Milliarden Euro auf der Kostenseite übernimmt. Nun gut, das ist nicht mal ein Viertel der EU-Finanzpaketes zur Unterstützung der Wirtschaft mit und nach Corona, aber dennoch eine ordentliche Summe mit der man viel Nutzbringendes bezahlen könnte.

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