Fiktiver Brief an Robin S. Quinville, Geschäftsträgerin US Botschaft in Berlin.

Sehr geehrte Frau Quinville, der Posten eines Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika ist nach dem Abgang des unsäglichen Botschafters Richard Grenell vakant. Seither vertreten Sie Ihr Land in Deutschland. Deshalb frage ich Sie, was ich von Ihnen als Person halten soll, dienen Sie doch einem Präsidenten, dem Lügen nur so aus dem Munde sprudeln. Einem Macho, der Frauen normalerweise nur als Sexobjekt sieht und ansonsten verachtet. Ein Präsident der sich als Wunderheiler geriert und Hunderttausende von Coronatoten verantwortet. Ein Präsident, der entweder selbst nicht versteht, dass der Klimawandel die Menschheit in ihrer Existenz bedroht oder lediglich Farmern aus dem Bibelgürtel das Wort redet um sie als Wähler für sich zu gewinnen. Ein Präsident, der die Waffenlobby in Ihrem Land fördert. Einem Land, in dem mehr Handfeuerwaffen in privater Hand sind als beim Militär. Ein Land in dem Mütter mit ihren Kinder zur Schießausbildung gehen. Ein Land, in dem 2019 mehr als 15.000 Menschen durch Schüsse getötet wurden, darunter 600 Kinder. Sie dienen einem rassistischen Präsident, der an die Überlegenheit derer mit weißer Hautfarbe glaubt und diesen in Ihrer Gesellschaft weit verbreiteten Wahn stützt. Ein Präsident, der Horden von Schwerstbewaffneten um sich schart, die intellektuell auf der untersten Stufe der menschlichen Intelligenz anzusiedeln sind. Einem Präsidenten, der statt mit seinem Konkurrenten über Politik zu diskutieren ihn übelst beschimpft. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, es fehlt nur der Platz.

Ein paar Zitate:
„Präsident Trump hat den Ruf unseres Landes beschädigt und unseren Partnern geschadet, er hat unseren Feinden geholfen, ihren Zielen näherzukommen. Und er ist eine Gefahr für unsere Demokratie: Wir erleben unter ihm den Zerfall von Institutionen und Normen, er heizt Gewalt gegen die Medien an und verbreitet gefährliche medizinische Unwahrheiten. Das alles ist schlecht für mein Land.“ Und weiter:
„Trumps Wiederwahl würde Amerikas Freunde in der Welt davon überzeugen, dass er akkurat die Einstellungen der Amerikaner wiedergibt. Unsere Freunde kennen uns gut, es ist ihnen bewusst, dass wir manchmal leichtfertige Entscheidungen treffen. Aber sie vertrauen in unsere Fähigkeit, unsere Fehler zu korrigieren. Wird Trump wiedergewählt, wird das unsere Freunde glauben machen, dass wir seine Politik gutheißen. Das würde die internationale Ordnung gefährden, die die USA und ihre Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und von der wir alle sehr profitiert haben.“
Kori Schake, Direktorin für Außen- und Verteidigungspolitik am konservativen American Enterprise Institute in Washington. Die Republikanerin arbeitete für mehrere US-Regierungen, unter anderem im Nationalen Sicherheitsrat von George W. Bush sowie im Außenministerium
„Trump und die Leute, die ihn befähigt haben, haben seine Präsidentschaft genutzt, um die Ungerechtigkeit zu schüren, die unsere Gesellschaft bereits durchdrungen hat“. Und weiter: „Wir hängen mit einem einzigen, abrutschenden Finger am Rande einer Klippe und der Sturz wird tödlich sein.“ Trumps „Schreckensherrschaft“ müsse beendet werden.
Caroline Rose Giuliani, die Tochter von Trump-Anwalt Rudy Giulianiin „Vanity Fair“

Ich komme zum Anfang zurück: Sagen Sie mir, was ich unter diesen Voraussetzungen von Ihnen halten soll. Und eine letzte Frage an Sie: „Wollen Sie etwa einem solchen Menschen zu einer zweiten Amtszeit als Präsident Ihres Lande verhelfen?“

Peter Schürkes